1) Warum sollte ich ins Coaching? Mir fehlt ja nichts.

Roger Federer und Novak Djokovic fehlt auch nichts. Sie haben es in einer Sportart mit weltweit harter Konkurrenz ganz an die Spitze gebracht. Sie setzen, wie praktisch alle Spitzensportler, auf Coaching, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass die Impulse von aussen sie stärker machen.

Wenn Sie zum ersten Mal eine Tour ins Hochgebirge machen, tun Sie das vermutlich nicht auf eigene Faust, sondern in Begleitung einer erfahrenen Person.

Wenn wir uns verändern, beruflich oder privat, begeben wir uns auf unbekanntes Terrain. Der Weg zur Erneuerung führt in den meisten Fällen durch die Verwirrung, durch das Chaos. Dazu gehört Angst – und Angst führt manchmal dazu, dass wir uns kontraproduktiv verhalten. Sich in solchen Phasen Unterstützung zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche – ganz im Gegenteil. Die Sicht von aussen kann uns helfen, schneller zum Ziel zu kommen und mehr aus unseren Möglichkeiten zu machen.

2) Was macht ein Coach überhaupt?

Im Idealfall macht er uns stärker – unabhängig davon, ob wir mit hohem Leidensdruck zu ihm kommen oder mit dem diffusen Wunsch, unser Potenzial besser zu entfalten.

Ein Coach hilft uns, einen klaren Blick für unsere aktuelle Situation zu gewinnen. Das gelingt uns selber oft nicht, auch wenn wir noch so viel reflektieren. Wir übersehen Wichtiges aufgrund unserer blinden Flecken; und wir nehmen manchmal zu schnell Zuflucht zu Erklärungen und Ausreden, die unseren Denkmustern und Glaubenssätzen entsprechen. Ein Coach schaut unvoreingenommen hin. Er sieht auch Unbequemes.

Ein Coach hilft uns, uns auf die wirklich wichtigen Fragen zu besinnen. Wir sind oft so beschäftigt, dass wir im Kleinen optimieren, aber die grossen Linien aus den Augen verlieren. Dann gleichen wir dem Reisenden, der im fahrenden Zug alle zehn Minuten den Platz wechselt, um noch besser positioniert zu sein, ohne sich die Frage zu stellen, ob der Zug in die gewünschte Richtung fährt.

3) Was kann ich von einem Coaching erwarten?

Leider nicht das, was die meisten Klienten gerne hätten: Seriöse Coachs können weder mit Anleitungen, einfachen Lösungen oder Erfolgsrezepten dienen. Manchmal ist es sogar so, dass ein Kunde mit Problem X zum Coach kommt und sich dann herausstellt, dass etwas anderes im Moment wichtiger ist.

Erwarten können Sie eine Klärung der Situation und eine Auslegeordnung. Aber auch, dass Ihr Selbstbild ergänzt wird durch die Aussensicht eines Profis. Das ist nicht immer angenehm, aber oft heilsam.

Ein Coach hält Ihnen aber nicht nur den Spiegel vor, sondern er übernimmt oft auch die Funktion eines Sparringpartners und Trainers. Warum lösen sich so viele Neujahrsvorsätze noch im Januar in Luft auf? Weil es an Konkretisierung und an Verbindlichkeit fehlt. Ein Coach nimmt sie beim Wort und begleitet sie. Und er hilft Ihnen, nicht bei den ersten Zweifeln klein beizugeben und Zuflucht zu suchen im Altbekannten.

4) Muss ich dafür einen Fremden zahlen? Können mich nicht auch Freunde coachen?

Mentoren und Freunde sind in Veränderungsphasen wichtig. Weil man in solchen Momenten nicht gefestigt ist, kommt der Auswahl der Bezugspersonen grosse Bedeutung zu. Reden Sie nicht mit den falschen Leuten über Ihre vagen Pläne!

Freunde sind oft keine guten Coachs, weil sie tendenziell zu nett und zu wenig ehrlich sind. Im Zweifelsfall stützen sie Ihre Sicht der Dinge oder lästern ein wenig mit Ihnen – dass sie Ihnen Unangenehmes ins Gesicht sagen, ist die Ausnahme.

Freunde und Familienmitglieder neigen dazu, Ihren Veränderungselan zu bremsen. Warum sollte ein Partner begeistert reagieren, wenn Sie den sicheren, gut bezahlten Job kündigen wollen, ohne schon Ersatz zu haben? Oft möchten unsere nächsten Bezugspersonen, dass wir so bleiben, wie sie uns kennen. Sie lieben uns, wie wir sind, nicht so, wie wir werden möchten. Ein Coach begleitet sie mit professioneller Distanz, aber gleichzeitig mit Wertschätzung.

5) Wie finde ich den richtigen Coach? Es gibt doch Anbieter wie Sand am Meer.

Das Angebot ist tatsächlich gross und unübersichtlich. Aber nichts zu unternehmen aus Angst, möglicherweise den falschen Coach zu wählen, ist in jedem Fall unklug.

Klären Sie vorgängig Ihren Bedarf: Möchten Sie in einem klar abgrenzbaren Fachbereich besser werden oder Ihr ganzes (Berufs-)Leben überdenken? Je nach Anforderung eignen sich andere Coachs.

Reden Sie mit Freunden und Bekannten über Ihre Absichten. Sie werden erstaunt sein, wie viele davon schon Erfahrungen gesammelt haben mit Coachs und Ihnen Empfehlungen geben können.

Recherchieren Sie auf eigene Faust. Internetportale wie www.beruf-berufung.ch erleichtern die Übersicht, weil sie nicht wie ein Telefonbuch funktionieren, sondern Ihnen Coachs persönlich vorstellen und empfehlen.

Kontaktieren Sie einige Coachs via Mail oder per Telefon. Treffen Sie die besten zu einem Erstgespräch – oft wird dieses nicht verrechnet. Aber auch wenn Sie die erste Konsultation zahlen: Finden Sie heraus, ob Sie sich dieser Fachperson anvertrauen wollen. Sie verpflichten sich damit zu nichts. Sie können ein Coaching jederzeit abbrechen.

6) Wie schütze ich mich vor Scharlatanen? «Coach» ist kein geschützter Titel.

Sie können sich absichern, indem Sie darauf achten, ob ein Coach einem der beiden Berufsverbände BSO und ICF angeschlossen ist. Diese stellen Anforderungen bezüglich Ausbildung, Anzahl Coaching-Stunden und Supervision. Allerdings bietet auch die Mitgliedschaft in einem Berufsverband keine Garantie für gute Arbeit.

Fragen Sie den Coach, mit dem Sie arbeiten möchten, nach Referenzen, nach seinen Methoden und nach seinem Erfolgsausweis. Verschaffen Sie sich Klarheit darüber, wie er die Zusammenarbeit gestalten möchte.

Hören Sie grundsätzlich auf Ihr Bauchgefühl! Vorsicht ist geboten, wenn

jemand Sie in einer schwierigen Situation mit phantastischen Versprechen zu überzeugen versucht (etwa der Aussicht auf baldigen finanziellen Erfolg)

jemand einen bestimmten Weg als Königsweg darstellt, etwa den Schritt in die Selbständigkeit. Das deutet darauf hin, dass der Coach seine Erfahrungen oder sein Weltbild auf seine Klienten projiziert

jemand das Coaching mit Jobangeboten, Investitionsvorschlägen oder irgendwelchen Mitgliedschaften verknüpft.

Gute Coachs zeichnen sich durch Demut und Vielseitigkeit in der Arbeitsweise aus. Sie haben keine Lösungen im Angebot, sondern befähigen Sie dazu, die Lösung selber zu finden und konsequent Ihren Weg zu gehen.

7) Ich finde keinen Coach in meiner Nähe und habe keine Zeit für eine lange Anfahrt.

Viele Coachs bieten Ihre Dienstleistung auch per Mail, am Telefon oder via Skype an – oft auch in Randstunden.

8) Wie viel kostet mich ein Coaching? Wie lange dauert das?

Die meisten Coachs verlangen zwischen 150 und 300 Franken pro Stunde. Einige staffeln die Tarife nach Einkommenssituation.

Viele Coachs offerieren eine kostenlose Erstkonsultation. Andere argumentieren, das würde sie in den Ruin treiben, da die erste Sitzung meistens auch die letzte sei. Viele Anbieter nennen 6 bis 9 Sitzungen als Durchschnittsdauer.

Es kann also leicht passieren, dass Sie einen vierstelligen Betrag ausgeben – so viel wie für eine neue Skiausrüstung oder eine Woche Urlaub. Dieser Luxus erweist sich aber oft als sinnvolle Investition, weil er Ihr Leben nachhaltiger verändert als die meisten anderen Ausgaben in dieser Grössenordnung.

Vielleicht lohnt es sich, die Frage zu stellen, welchen Preis Sie bezahlten, wenn Sie nichts verändern. Gemäss neusten Erhebungen von Gallup gehen nur 16 von 100 Angestellten bei der Arbeit mit innerem Feuer ans Werk. Die anderen verrichten Dienst nach Vorschrift oder haben innerlich gekündigt. Wer sich in der Arbeit nicht einbringen und entfalten kann, riskiert auf Dauer psychische und körperliche Beschwerden.

Ratgeber zum Thema «Wie finde ich den richtigen Coach?» auf SRF1:

«Doppelpunkt» zum Thema UMSTEIGEN auf SRF1:

Ihr nächster Schritt:

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